Die Keule

 

Es scheint ein neues Phänomen zu geben. Ein Phänomen, das sich klammheimlich einschleicht. So leise und unbemerkt es sich einschleicht, ebenso effektiv ist es in seiner Wirkung. Es ist ein Phänomen, das Andersdenkende ganz schnell in eine Ecke drängt. Im Sinne von: Wehe dem, der nicht wie die grosse Masse denkt, mit einer neuen Idee, einem neuen Gedanken kommt. Mit etwas, das man bis heute vielleicht zu wenig bedacht hat oder ganz einfach nicht wusste. Das aber die Gesellschaft, die Menschen in eine neue Richtung bringen und vielleicht sogar vor einem schlechter werden der Umstände bewahren könnte. Wer das wagt, kriegt ganz schnell eine Keule in den Nacken und die heisst: Verschwörungstheoretiker.

Aktuelles Beispiel: ein Politiker bezeichnete Raffael Wüthrich vom Initiativ-Komitee der Vollgeld Initiative vor laufender Kamera als ebensolchen. Halb so wild, mögen Sie jetzt vielleicht denken. Mag man von der Initiative halten was man will, aber kennen Sie die möglichen Folgen einer solchen Diffamierung? Verschwörungstheoretiker werden zu Interviews nicht mehr eingeladen, von Vorträgen wieder ausgeladen, vom Dialog ausgegrenzt. Als Verschwörungstheoretiker betitelte gelten als Menschen zweiter Klasse, als utopische Fantasten, die man nicht ernst nehmen muss. Dabei wären es vielleicht gerade die als solche diffamierte Menschen, die uns Informationen, Erkenntisse oder gar Wissen hätten, die uns hellwach machen, zum denken anregen könnten.

Sie haben sich länger und tiefer mit etwas auseinandergesetzt als es ein Ottonormalverbraucher generell tut. Darum glaube ich, dass es ein fataler Fehler ist, genau diesen Menschen nicht zuzuhören. Wir tun es bei Politikern. Wer sagt uns, ob wir da die ganze Wahrheit geliefert bekommen? Das Beispiel der Vollgeld Initative zeigt es auf: auch wenn sie bachab ging, sie in ihrem vollem Umfange schwer verständlich war und schwierig umsetzbar gewesen wäre: es ist nun wohl vielen klarer, dass unser Finanzsystem einer Blase gleichkommt, die jederzeit platzen könnte. Oder milder ausgedrückt: dass es nicht so sicher ist, wie viele bis anhin glaubten. Einen Dialog weiterzuführen und nicht mit Schlagwörtern zu beenden erscheint mir bei allen relevanten Themen wichtig für die Meinungsbildung. Ausser wir wollen wie die blöckenden Schafe einem Hirten nachlaufen, bei dem wir nicht wissen, ob dieser auch tatsächlich unser Wohlergehen im Auge hat oder nur das Konto seines Chefs. Dafür müssen wir uns mehr als nur eine Seite anschauen oder anhören. 

Mit Diffamierung und Ausgrenzung von Andersdenkenden oder Menschen, die neue Ideen liefern tun wir uns garantiert keinen Gefallen. Vielleicht haben ja gerade sie uns etwas Wichtiges zu sagen. – Mit Sicherheit haben sie etwas Wichtiges zu sagen. Denn aus welchem anderen Grund schafft man sie sich mit der entwürdigenden Schubladisierung „Verschwörungstheoretiker“ vom Hals?


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