Der Soziale Prozess – statt Trennung wieder mehr Verbindung unter den Menschen

Die heutige Zeit ist geprägt von Spaltungen. Sehr schnell scheiden sich die Geister in allen möglichen Themen. Dabei kann es so richtig hitzig zur Sache gehen, Konflikte auslösen und dahinführen, dass sich Menschen trennen, Freundschaften und Beziehungen zerbrechen. Unsere Gesellschaft teilt sich immer mehr in zwei Lager. In ein Lager der Befürworter der Massnahmen und in ein Lager der sogenannten Gegner. Meines Erachtens ist das nicht nur eine ungute, sondern auch eine gefährliche Entwicklung. Will man diese Entwicklung bagatellisieren, kann man sich in Erinnerung rufen, dass es einen Abkürzung eines Begriffes in der Kriegsführung gibt. Die lautet TAT und steht für teilen, abwerten, töten. Im Moment sind wir meines Erachtens auf Stufe zwei angelangt. Abwertungen wie „Covidiot“, „Corona-Leugner“, „Verschwörungstheoretiker“ sind längst an der Tagesordnung.Viele Menschen erkennen die aktuellen, besorgniserregenden Entwicklungen. Man spricht mit Freunden, Bekannten, Familienmitglieder. Was aber kann dagegen respektive dafür getan werden? Wie kann man dem entgegenwirken?

Der Mensch unterschätzt ganz allgemein seine eigene Wirkungsweise im alltäglichen Denken, Fühlen und Handeln. In seiner Wirkungsweise in menschlichen Begegnungen, darüber hinaus aber auch in erweiterter Weise auf der geistigen Ebene. Wir sind uns nicht bewusst, dass jeder Gedanke, den wir denken, eine entsprechende Wirkung hat.

In der westlichen Welt sind wir auf ein sehr materialistisches Denken reduziert und so entgeht uns die Möglichkeit, unserem Sein mit einer erweiterten Sicht zu begegnen. Einer Sicht, die über den Glauben, dass wir nur aus Fleisch und Blut bestehen, hinausgeht. Dass der Mensch nebst dem Körper auch über eine Seele und einen Geist verfügt und ihm damit ein viel grösseres Potential zur Verfügung steht, mit einer viel weiteren Entwicklungsspanne und selbstbestimmten Gestaltungsmöglichkeiten.

Schult der Mensch seine geistigen Fähigkeiten und nutzt er sie in aufbauender Weise gibt es mehr Frieden. Das mag jetzt trivial klingen. Wer aber um ein förderliches, edles Ziel im Leben ringt, um eine Umsetzung eines Ideales für die Zukunft, der wird keine Zeit haben sich zu streiten. Sondern ist bemüht, dieses Ideal im Alltag umzusetzen und so Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen, die nicht die Polaritäten fördern, sondern in einen zukunftsweisenden Aufbau führen.

Ein solches Ideal ist der Soziale Prozess. Er bietet eine Möglichkeit, diesen Trennungen und Spaltungen entgegenzuwirken.

Was ist ein Sozialer Prozess?

Im alltäglichen Leben funktionieren wir meist sehr unbewusst und aus Automatismen heraus. Es gibt kaum Momente, in denen wir uns auf eine Begegnung oder ein Gespräch gedanklich vorbereiten. Ausser es handelt sich vielleicht um ein Vorstellungsgespräch für eine neue Arbeitsstelle oder ein Gespräch mit dem Arzt über bevorstehende medizinische Schritte. Meist sprudeln die Worte recht unbedacht über unsere Lippen. Selten führt ein klarer Gedanke, ein Inhalt das Gespräch. In einem Sozialen Prozess ist genau dies der Fall: der Mensch geht mit einem übergeordneten oder universalen Gedanken in die Begegnung. Ein universaler Gedanke ist ein Gedanke, der jeden Menschen betrifft, ein hoher, weistheitsvoller Gedanke, ein edler und wahrer Gedanke, der förderlich in der Begegnung wirken kann und auch ein Ideal, ein noch zu kreierendes, edles Ziel beschreibt. Etwas kreieren kann, das noch nicht oder zu wenig existent ist.

„Die Gedanken von Heiligen und weisen Persönlichkeiten, die um das höchste Geheimnis wussten, besitzen einen seelischen Wert oder, wie der moderne Esoteriker sagt, eine Art Energie, die das Herz und die Mentalität beleuchten und befeuern kann.“ Heinz Grill, Begründer des Sozialen Prozesses

Ein einfaches Beispiel für einen führenden Gedanken, einen Inhalt könnte sein:

«Jeder Mensch strebt in irgendwelcher Weise nach Entwicklung.»

Mit diesem Gedanken wird uns in der Begegnung bewusst sein, dass jeder Mensch in seiner weise Entwicklungsmöglichkeiten hat, die man fördern kann. Somit wird man das Gegenüber mit anderen Augen betrachten, auf diese Entwicklungsmöglichkeiten beim Anderen aufmerksam und wird sie in einem geeigneten Moment auch einmal aussprechen und damit den anderen fördern können. Im Gegensatz dazu steht das schnelle verurteilen oder bekritteln des Anderen.

Durch einen weisheitsvollen, edlen Gedanken, der der Mensch bei sich pflegt und ihn als Ideal erhebt, wird die Begegnung harmonischer, freier und bewusster erlebt. Der Einzelne wird dadurch eine natürliche, gesunde Distanz zu seinem Gegenüber wahren und ihn besser wahrnehmen lernen. Dies führt auf subtile, aber wahrnehmbare Weise zu einer feinen Verbindung mit den Menschen. Eine Verbindung, die nicht manipuliert oder suggeriert, sondern dem Gegenüber eine feinfühlige Freiheit gewährt.

Einzelne methodische Schritte des sozialen Prozesses

Wahrnehmung

Ein sozialer Prozess beginnt mit der Wahrnehmung der Person. Diese Wahrnehmung kann begleitet sein von Beobachtungen. Man kann sich fragen: Wie ist die Person aufgerichtet, wie erscheint ihre Haut, wie lebendig schauen die Augen nach aussen. Dabei soll keine Wertung entstehen. Sondern eine aufmerksame Kontaktaufnahme, die anschliessend mehr eine beschreibenden Betrachtung zulässt. Das Gespräch kann mit leichten Fragen eröffnet werden. Wie beispielsweise die Frage, wie die Anreise gegangen ist oder wie es denn zu Hause geht. Je nach dem welche Situation, welches Verhältnis es ist. Gerade in ersten Begegnungen, bei der die eine Person mehr eine autoritäre Position innehält wie beispielsweise ein Arzt oder ein zukünftiger Vorgesetzter, ist dies sehr hilfreich um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.

Willensabstimmung

Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen von einer Sache oder auch verschiedentliche Bedürfnisse. Diese können in einem Gespräch abgeglichen werden. Kommen beispielsweise ein Architekt und sein Auftraggeber zusammen, werden sie ihre unterschiedlichen Vorstellungen abgleichen müssen, damit das Projekt glücklich gelingen kann. Tätigt man diese Willens- abstimmung sorgfältig bevor das Projekt startet, können Missverständnissen und Streitigkeiten, die zuweilen vor Gericht enden, vermieden werden. Diese Willensabstimmung erfordert es immer wieder. In vielen anderen Bereichen, auch in alltäglichen Dingen kann sie zu viel harmonischeren Unternehmungen, Begegnungen oder gemeinsamen Zielen führen. Denn sie wirkt auch einem Willensübergriff entschieden entgegen. Jeder soll sich einbringen können.

Klärung der Begriffe

Wir benützen Begriffe, die jeder mit unterschiedlichen Vorstellungen belegt. Denkt man nur schon an den Begriff der Freiheit. Jeder wird wahrscheinlich etwas anderes darunter verstehen. Nimmt man als Beispiel ein Paar, das sich kennenlernt und jeder weiss, dass er Freiheit braucht und Freiheit will, aber trotzdem ein Paar sein, so werden die Beiden genauer anschauen müssen, was jeder darunter versteht. Auch hier kann so Missverständnissen vorgebeugt werden.

Der Sozialen Prozess ist bar jeglicher Manipulation oder Suggestion und belässt den Menschen in der grösstmöglichen Freiheit und Selbstbestimmung. Er kann in jeder Begegnung getätigt werden und führt zu einer feinfühligen und freien Verbindung unter den Menschen.

Literaturempfehlung:

Das Wesensgeheimnis der Seele

Heinz Grill


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