
Andrzej Truszczynski vom TTC Port (zvg Manuel Winterberger)
Sei doch einfach im Hier und Jetzt. Vergangenes zählt nicht mehr – die Zukunft steht noch in den Sternen. Manche Menschen geben uns diesen Ratschlag, um nicht Vergangenem, vielleicht Verpasstem nachzutrauern und freier von Zukunftsängsten zu werden. So einfach diese Aussage klingt, so einfach ist sie nicht zu bewerkstelligen. Es ist in etwa so, wie wenn man einen desinteressierten Menschen auffordert, nun doch etwas Interesse zu zeigen.
Und: wie genau soll das passieren? Sich im Hier und Jetzt aufzuhalten? Präsent zu sein? Was bedeutet das überhaupt?
Denkt man an einen Tischtennisspieler in vollem Match wird schnell klar: im Hier und Jetzt zu sein bedeutet Präsenz. Hat er seinen Kopf bei tausend anderen Dingen, wird er sich kaum auf die rasanten Ballwechsel ausrichten können. Sein Gegner wird leichtes Spiel mit ihm haben. In vollster Konzentration wird er hingegen eine blitzschnelle Reaktion an den Tag legen und unmöglich erscheinende Bälle noch retournieren können.
Eine solche Präsenz oder Konzentration kann genauso trainiert werden wie perfektionierte Vor- oder Rückhandschläge, wie Topspins oder die Technik der geschnittenen Bälle.
Der Mensch kann sich in seinem Bewusstsein schulen und somit seine Konzentrationsfähigkeit erheblich steigern. Nehmen wir das Beispiel einer Yogastellung. Eine Yogaasana kann praktiziert werden, ohne dass ein bestimmter Inhalt oder Gedanke die Ausführung begleitet. Dabei ist das Bewusstsein weitgehend inaktiv oder unbeteiligt. Die Gedanken können in der Endstellung, wenn der Körper sich nicht mehr bewegt, umherschweifen und sich verlieren. Der Übende ist somit nicht bei der Sache oder eben nicht präsent.
Das Tätigsein mit bewusster Gedankenführung
Eine andere Möglichkeit ist, die Yogastellung mit einem Gedanken auszuführen. So werden die sogenannten asanas, die Yogaübungen, im Neuen Yogawillen begründet von Heinz Grill praktiziert. Der Übende nimmt sich dabei einen bestimmten Punkt vor, den er beobachtet. Er weiss beispielsweise, dass ein bestimmtes Chakra, ein sogenanntes Energiezentrum, vorrangig ist in der Stellung. Nehmen wir das konkrete Beispiel der Kopfkniestellung, bei der der Oberkörper im Sitzen weit nach vorne ausdehnt wird.

Hier arbeitet der Übende aus dem 3. Zentrum auf Magenhöhe. Das Manipura-Chakra oder Sonnengeflecht. Er achtet darauf, dass er nicht zu früh in einen Rundrücken gerät, sondern strebt mit der Wirbelsäule zuerst mehr nach oben und nach vorne in die Weite. Er konzentriert sich dabei auf das Sonnengeflecht in der Mitte des Oberkörpers. Schweift er ab auf nichtzugehörige Gedanken holt er sich wieder zurück in die Ausrichtung auf diesen Punkt. Andere Gedanken weist er zurück. Er ist voll und ganz in der Aufmerksamkeit auf diese Mitte. Er kommt in der bewegungslosen Position zur Ruhe und konzentrierten Beobachtung. Die körperliche Dominanz mit all den Bedrängungen weicht mit dieser bewussten Aufmerksamkeit zurück.
Es ist nicht mehr der Körper, der bestimmt und dessen Gefühle, die das Bewusstsein gefangen nehmen oder die Routinen und Gewohnheiten, die bestimmen. Sondern das Bewusstsein mit der Ausrichtung auf den Inhalt führt die Ausführung. Trägheitsgefühle, Gefühle der Schwere oder die vermeintliche Annahme, der Körper könne unmöglich in die gewünschte Form geführt werden, können zurückweichen. Auch nebulöse, leicht depressive Zustände können so überwunden werden und eine neue Leichtigkeit und Klarheit kann sich entwickeln.
Der bewusst geführte Gedanke und die bewusste Beobachtung sind dabei zentral. Diese erzeugen die genannte Wirkung. Das Bewusstsein einnehmende Strömungen vom Körper auskommend weichen zurück und ein sehr klares Denken mit hoher Konzentration entsteht. Es entsteht eine glasklare Präsenz.
Weiterführender Artikel zu erweiternder Gestaltung und Betätigung im Sport:
https://heinz-grill.de/sport-lundo-trentino