
Das Visuddha Chakra und erste Schritte in eine neue Freiheit
Dem fünften Zentrum des Menschen am Kehlkopf werden essentielle menschliche Fähigkeiten zugeschrieben. Fähigkeiten, die uns im täglichen Geschehen gar nicht bewusst, aber in der heutigen Zeit von entscheidender Bedeutung sind. Gerade darum ist es so spannend und wertvoll, diese zu erkennen und zu entwickeln.
Das sogenannte Visuddha- oder Halschakra ist unter etlichen anderen Aspekten das zuständige Zentrum für die Unterscheidungsfähigkeit. Eine sehr Sensible allerdings. Der Mensch kann mit wacher Aufmerksamkeit unterscheiden lernen, ob er sich in alten, gewohnheitsmässigen Verhaltensweisen aufhält oder ob er mutige Schritte des Neuanfangs wagt. Dazu benötigt er:
- ein aktives Bewusstsein und
- einen führenden Gedanken, den er in eine lebendige
- Vorstellung führt
Dieser führende Gedanke ist vergleichbar mit einer feinen Kompassnadel. Die sensibel von der Zielrichtung abweicht, sobald die exakte Ausrichtung nicht mehr stimmt.
Lassen Sie mich das näher erklären. Der Mensch bewegt sich im Normalfall recht unbewusst und automatisiert im Leben. Ohne viel darüber Nachzudenken, wie er etwas macht oder wie er auf etwas reagiert. Nun trifft er vielleicht auf Schwierigkeiten und ist genötigt, sich mit der Situation eingehend auseinanderzusetzen. Eine erste Bewusstseinsaktivität tritt ein. Doch welche Gedanken begleiten ihn dabei? Sind es Gedanken, die ihm längst bestens vertraut sind? Die immer wiederkehren? Die stets eine ähnliche Färbung tragen? Will er aus diesen alten, wohlbekannten Gedanken heraustreten und neue Erkenntnisse, Erfahrungen oder Erlebensweisen gewinnen braucht er einen neuen Schritt in seinem Leben.
Loslösung und Neuanfang
Pflegt der Mensch einen führenden, neuen Gedanken bei sich, schafft er eine Loslösung und einen Neuanfang. Das ist ungewohnt und es stellt sich hiermit die Frage, welchen Gedanken man sich hinwenden soll. Es empfiehlt sich, einen Gedanken aus einer hohen Schrift, einen Wahrheitsgedanken oder universellen Gedanken zu wählen. Ein mögliches Beispiel: „Jede Begegnung erlaubt die Wahrnehmung des anderen und kann zu anregenden Fragen, tiefsinnigeren Überlegungen und schliesslich sich weiterentwickelnden Bewusstseinsprozessen führen“. Ein Gedanke von Heinz Grill aus dem Buch „Wesensgeheimnis der Seele“ – im Kapitel des Herzensprozesses.
Zentral wichtig dabei ist nun, dass er diesen Gedanken nicht nur als Information nimmt, sondern ein lebendiges Vorstellungsbild dazu kreiert. Dadurch gestaltet er eine Begegnung nicht aus den alten Mustern, Gefühlen und Gedanken, sondern aus dem Bild dieser Vorstellung dieses Gedankens. Seine Handlungs- und Reaktionsweise aus diesem Gedanken kreiert etwas Neues. Die Automatismen können zurückweichen, wenn ein klares Bewusstsein errichtet wird. Aus dieser aktiven Tätigkeit des Bewusstseins im Gegensatz zum gewohnheitsmässigen Reagieren entsteht die Erscheinungsform des Lichtes. Der Körper mit seinen automatischen, drängenden Emotionen und Begehrensformen weicht zurück.
Eine freiere Übersicht und Handlungsweise
Dies allerdings ist ein regelrechter Kampf zwischen dem Bewusstsein und den emotionalen und auch gewohnten, vertrauten Impulsen. Wie sehr der Körper mit seinen gebundenen Emotionen sich immer wieder in den Vordergrund drängt bemerkt man schnell, wenn unterschiedliche Positionen, Meinungen oder Sichtweisen aufeinandertreffen. Oder wenn ein Mann eine schöne Frau sieht. Ist er dann geistesgegenwärtig genug, der anderen Person auf freie Weise zu begegnen? Kann er die bedrängenden Gefühle an ihren Platz verweisen, ohne sogleich dem Impuls des emotionalen oder körpergebundenen Zugriffes nachzugeben? Oder: schaffen wir es, auch bei kontroversen Themen aus einer gedanklichen Übersicht zu handeln oder fallen wir in unsere alten Emotionen zurück?
Ein schönes Beispiel für die Unterscheidungskraft oder bewusste Übersicht ist die Situation eines bekannten Vortragsredners, der sich mit seiner klaren Haltung nicht nur Freunde, sondern auch Gegner geschaffen hat. Bei einem seiner Auftritte wurde vor dem Eingang des Veranstaltungsortes lauthals gegen ihn und sein Erscheinen demonstriert. Eine Journalistin fragte ihn, wie es für ihn sei, so etwas mitzuerleben, was er dazu sagen würde. Er meinte gelassen: „Sie sollen reinkommen und sich das mal anschauen“. Er blieb sachlich, ohne sich etwaigen Gefühlen der Abwehr oder Abneigung hinzugeben.
Es gibt eine weitere passende, sinnbildliche Geschichte dazu. Aus dem Buch: „Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren“ von Heinz Grill. Die Geschichte des Häftlings, der dank gutem Benehmen in die Freiheit entlassen wird. Am Tag der Entlassung kommt der Gefängniswärter zu ihm in die Zelle und fordert ihn auf, seine sieben Sachen zu packen. Der Häftling ist etwas zögerlich und entgegnet dem Wärter: „Ich lass meine Dinge lieber hier. Wahrscheinlich werde ich eh bald wieder hierher zurückkehren….“. Wie gross ist der Mut wirklich, den Schritt zu vollziehen und sein Leben in Freiheit und Eigenverantwortung in Angriff zu nehmen? Um sich mit neuen Gedanken, mit neu kreierten Vorstellungen ausstaffiert ins Abenteuer des Neuwerdens zu wagen?
Weiterführende Literatur zum 5. Zentrum:
